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"Ich hatte praktisch kein Leben mehr"
Wie eine multimodale Schmerztherapie Michael Leichenich zurück in den Alltag brachte
Ein Sturz aus sieben Metern Höhe veränderte das Leben von Michael Leichenich grundlegend. Nach schweren Verletzungen, zahlreichen Operationen und jahrelangen starken Schmerzen fand der 60-Jährige aus Hiddenhausen durch die multimodale Schmerztherapie der Universitätsklinik für Anästhesiologie, operative Intensiv-, Rettungsmedizin und Schmerztherapie zurück in ein selbstbestimmtes Leben.
Der folgenschwere Unfall ereignete sich im August 2022. Leichenich erlitt einen Trümmerbruch der Hüfte, einen Schambeinbruch, einen Beckenriss sowie Sehnenverletzungen an beiden Sprunggelenken. Mehrere Operationen waren notwendig, doch Komplikationen verzögerten die Heilung: Schrauben lockerten sich, die Hüfte brach erneut und er lebte monatelang ohne funktionierendes Hüftgelenk. „Es machte plötzlich ‚knack‘, als ich durch den Garten ging“, erinnert er sich.
Auch nach dem Einsatz einer Hüftprothese blieben die Schmerzen in Hüfte, Schulter und Sprunggelenken bestehen. Eine umfassende Rehabilitation erhielt er nicht. Michael Leichenich fühlte sich mit seinen Schmerzen völlig allein gelassen. Stattdessen nahm er über Jahre hochdosierte Schmerzmittel, darunter starke Opioide – mit gravierenden Folgen. „Ich musste teilweise bis zu 20 Stunden schlafen und hatte praktisch kein Leben mehr“, sagt Leichenich. Die Schmerzen und die Medikamente führten zu körperlichem Abbau, Erschöpfung und psychischer Belastung.
Erst die Aufnahme in die stationäre multimodale Schmerztherapie im Klinikum Herford brachte die Wende. Neben einem kontrollierten Opiatentzug und einer neuen medikamentösen Einstellung umfasste die Behandlung Physio- und Ergotherapie, psychotherapeutische Begleitung sowie Entspannungsverfahren.
Ohne diese Unterstützung wäre ich heute nicht hier.
„Herr Leichenich hatte einen langen Leidensweg hinter sich. Unser Ziel war es, die Schmerzen nach dem bio-psychosozialen Modell zu behandeln und ihm Schritt für Schritt wieder Selbstständigkeit und Lebensqualität zurückzugeben“, erklärt die bereichsleitende Oberärztin Dorothee Renusch.
Der 16-tägige Aufenthalt zeigte schnell Wirkung. Zuhause setzte Leichenich die Übungen konsequent fort und trainierte täglich gemeinsam mit seinem Hund. Heute benötigt er deutlich weniger Schmerzmittel, arbeitet wieder als Monteur und genießt Spaziergänge, Gartenarbeit und seine Leidenschaft für den 1. FC Köln. Täglich legt er wieder fünf bis zehn Kilometer zu Fuß zurück.
Sein Rat an andere Menschen mit chronischen Schmerzen ist eindeutig: „Ich empfehle jedem, sich frühzeitig Hilfe in einer spezialisierten schmerztherapeutischen Einrichtung zu suchen. Ohne diese Unterstützung wäre ich heute nicht hier.“
Die Multimodale Schmerztherapie
Die multimodale Schmerztherapie richtet sich an Menschen mit chronischen Schmerzen, die den Alltag erheblich beeinträchtigen. Sie verbindet medizinische, körperliche und psychologische Behandlungsansätze und berücksichtigt neben den Schmerzen auch deren psychische und soziale Auswirkungen.
Angebot der Hochschulambulanz im Klinikum Herford:
- Bis zu 200 ambulante Patientinnen und Patienten pro Quartal
- Vier spezialisierte Schmerzbetten für stationäre Behandlungen
- Schwerpunkt auf komplexe chronische Schmerzen und Opiatentzug
Bestandteile der Therapie:
- Individuelle medikamentöse Schmerztherapie
- Physio-, Ergo- und Bewegungstherapie
- Psychotherapeutische Begleitung
- Entspannungsverfahren, Akupunktur und TENS
- Gezielte interventionelle Schmerzverfahren bei ausgewählten Indikationen
Je früher chronische Schmerzen ganzheitlich behandelt werden, desto besser sind die Erfolgsaussichten.
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