Colitis ulcerosa
Diese Erkrankung stellt eine Krebsrisikoerkrankung dar, d. h. nach langer Erkrankungsdauer, in der Regel nach mehr als 8 Jahren, steigt das Risiko einer bösartigen Entwicklung im Dickdarm ungewöhnlich stark an. Die Colitis ulcerosa (CU) befällt nur den Dickdarm, vom After an aufsteigend. Die meisten Patienten mit CU haben nur einen Befall der ersten 70 cm Mastdarm und Dickdarm. Die Erkrankung ist chirurgisch heilbar, da sie nur die Schleimhaut des Dickdarms befällt.
Eine Operation kann prophylaktisch (vorbeugend) vor einer Krebsentwicklung oder zwingend bei bereits bestehender bösartiger Entwicklung durchgeführt werden.
Die Operation umfasst sinnvollerweise die komplette Entfernung des Dickdarms, die Entfernung des Mastdarms (bis auf ca. 3–5 cm vor der Schließmuskulatur), die Auslösung der Schleimhaut aus den letzten Zentimetern des verbliebenen Mastdarms (Kolektomie mit Proktomukosektomie). Dann wird aus Dünndarmschlingen ein Mastdarmersatz gebildet und dieser Darmbeutel (engl. = pouch) in den Muskelzylinder des verbliebenen Mastdarms eingesetzt und an der Afterhaut angenäht (ileoanaler Pouch), sodass der Stuhlgang auf normale Weise erfolgen kann. Damit sie in Ruhe ausheilen kann, schützen wir diese Konstruktion für die Dauer von 6 Wochen mit einem (vorübergehenden) Dünndarmseitenausgang.
Leben nach der Pouch-Operation
Anfänglich setzen die meisten Patienten sehr weichen Stuhl ab. Einige Zeit nach der Operation haben die überwiegende Zahl der Patienten vier bis sechs Mal pro Tag Stuhlgang. Der Stuhl selbst hat dann eine Beschaffenheit wie Haferschleim. Es wird kein Problem darstellen, den Stuhldrang für eine Weile zu kontrollieren. Wenige Menschen müssen auch nachts zur Toilette gehen, einige wenige fühlen sich sicherer, wenn sie eine Vorlage tragen, für den Fall eines ungewollten Stuhlabgangs. Ursache ist ein relativer Tonusverlust des inneren Schließmuskels (M. Sphinkter ani internus) mit einem Ruhedruck und maximalen Pressdruck im Analkanal von nur 40–50 Prozent der Werte des Normalgesunden. Der anorektale Hemmreflex fehlt. Auch nach septischen Pouch-Komplikationen im kleinen Becken, mit sekundärer Internus-Schädigung durch entzündlich degenerative Veränderungen im autonomen Nervengeflecht, finden sich gleiche Symptome. Kontinenzraten werden mit 67 bis 95 Prozent angegeben. Viele Patienten werden herausfinden, dass sie bestimmte Nahrungsmittel nicht mehr vertragen. Faserreiche Nahrungsmittel wie Orangen sollten besser von vornherein vermieden werden, da sie zu einer Verstopfung des Dünndarms führen können. Wenn die Stuhlgänge zu häufig werden sollten, dann muss die Diät verändert oder Tabletten wie Loperamid (z. B. Imodium) eingenommen werden. Diese Tabletten verlangsamen die Darmtätigkeit, machen aber nicht süchtig.
Nachuntersuchung nach der Operation
Einige Zeit nach der Operation ist es üblich, sich in jährlichen Abständen ambulant vorzustellen.
Pouchitis im Verlauf nach der Operation
Die Pouchitis kann episodenhaft oder auch als chronische Entzündung auftreten. Mehr als die Hälfte der Patienten haben nach 6 Monaten bereits die erste Entzündungsepisode. Pouchitis ist bei Colitis ulcerosa nicht selten. Die Darmtätigkeit ist nach Pouch-Operationen gehäuft, meistens zwischen 3–7 Entleerungen/Tag, wobei die spontane Defäkation die Regel ist. Bis zu 26 Prozent der Patienten nehmen regelmäßig Antidiarrhoika zur Regulation der Stuhlfrequenz ein. Die Komplikationen und in minderem Maß auch Unzufriedenheit führen in 5 bis 20 Prozent der Fälle wieder zur Aufhebung der Pouch-Konstruktion mit Anlage eines endständigen Ileostomas oder in wenigen Fällen zu einer Neu-Anlage des Pouches.
Pouch-Operation und Schwangerschaft
Eine normale vaginale Entbindung ist auch nach einer Pouch-Operation möglich. Inwieweit eine Schädigung der Schließmuskelkraft durch die Entbindung auftritt ist nicht vorhersagbar. Im Falle eines Dammschnitts (Episiotmie) ist die Schädigung der Kontinenzleistung in jedem Fall höher. Es sollte eine enge Abstimmung zwischen Patientin, Geburtshelfer und ggf. auch dem Pouch-Operateur stattfinden.